27. Dezember 2008

Warum nur Apple das iPhone bauen konnte!?


Es war zweifelsohne die Handy-Innovation des Jahres 2008: Das iPhone 3G von Apple. Beim weltweiten Marktstart am 11. Juli gingen tausende Geräte über die Ladentheken, und in Deutschland mussten viele T-Mobile-Mitarbeiter Interessenten vertrösten, die vorab kein Gerät reserviert hatten.

Doch warum ist es Konkurrenten wie Nokia, SonyEricsson und Samsung nicht gelungen, selbst ein so innovatives Gerät auf den Markt zu bringen? Wir haben Experten befragt.

Die anderen Hersteller haben geschlafen. Vor allem an der Software haben die Firmen zu wenig gearbeitet.“ Ein möglicher Grund: Die Unternehmen standen nicht unter Zugzwang, weil sich die bestehenden Geräte gut verkauften.

Nokia hat diesen Fehler inzwischen erkannt und im Sommer 2008 angekündigt, den Software-Hersteller Symbian komplett zu übernehmen. Bis dato besaß der weltgrößte Handybauer nur eine Beteiligung von knapp unter 50 Prozent an der Firma, die das Betriebssystem für viele Handys liefert. „Jetzt kann Nokia mehr Druck auf die Entwickler der Software machen“, sagt Lüders. Der Sal.-Oppenheim-Analyst Nicolas von Stackelberg glaubt, dass Nokia im nächsten Jahr Schlag auf Schlag Handys mit Touchscreen auf den Markt bringen wird.

Mike Sixt von CBS Interactive (CNet, ZDNet) sieht einen weiteren Vorteil für die Apple-Ingenieure: „Sie konnten ein Handy von Grund auf neu entwickeln und mussten keine Rücksicht auf bestehende Hard- und Software nehmen.“ Bis dato hätten viele Hersteller ihre bestehenden Geräte nur weiterentwickelt und neue Neuheit auf den Markt gebracht: „Es war vielleicht auch nicht so einfach, radikal anders zu denken und dafür die Unternehmensführung zu begeistern“, spekuliert der Handy-Spezialist von CBS Interactive.
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Die einfache Bedienung des Geräts liegt aber nicht nur an einem guten Zusammenspiel von Hardware und Software, sondern an einer wichtigen Grundregel, die Apple konsequent beachtet hat: „Apple hat das Gerät nicht mit Funktionen überfrachtet. Was sie aber eingebaut haben, ist durchdacht und funktioniert gut“, erklärt Daniel Lüders.

Aus seiner Sicht haben viele Handyhersteller in ihre neuen Geräten zu viele Features eingebaut: „Das ist dann wie ein Döner. Es ist alles drin und es schmeckt trotzdem nicht.“ Als einer der ersten Hersteller habe RIM – der Hersteller des Blackberry - die Regel beachtet: Die Kanadier haben sich auf E-Mail- und Organizer-Funktionen konzentriert. Multimedia spielte lange Zeit nur eine untergeordnete Rolle. „Auch SonyEricsson baut in der Modellreihe ,Walkman’ Geräte, die in erster Linie ein portabler Musikplayer sind“, sagt Mike Sixt.

Zu den Funktionen, die beim iPhone durchdacht umgesetzt wurden, gehört aus seiner Sicht der Internet-Zugang. „Der Safari-Browser ist schnell und kann alle Seiten darstellen. Das ist bisher unschlagbar“, berichtet Sixt. Dazu kommt, dass Apple aufgrund der großen Nachfrage Druck auf die Mobilfunkprovider ausüben konnte, Tarife mit unbegrenztem Surfen anzubieten. „Plötzlich bieten sie alle Flatrates an“, wundert sich Daniel Lüders.

Ein weiterer Vorteil des Apple-Handys ist das stetig wachsende Software-Angebot. Wer schon einmal versucht hat, Software auf einem Symbian-Handy zu installieren, wird vom AppStore des iPhones begeistert sein: Nach Drücken auf „Kaufen“ wird die Software wie von Geisterhand heruntergeladen und sofort installiert. Auch hier haben die Konkurrenten reagiert: Nokia und Blackberry haben ähnliche Portale gestartet. Aber Apple hat erneut eine wichtiges Prinzip beachtet: „Apple prüft alle Programme, bevor sie in den AppStore gelangen. So habe ich als Kunde die Gewissheit, dass eine Anwendung auch wirklich auf meinem iPhone funktioniert“, meint c’t-Redakteur Daniel Lüders.

Für 2009 gehen die Einschätzungen der Experten auseinander: Während Daniel Lüders mit weiteren Erfolgen für Apple rechnet, wartet Teltarif.de-Redakteur Markus Weidner gespannt auf das neue Nokia N97: „Kollegen, die das Gerät schon in den Händen hatten, sagen, es sei das bessere iPhone. Nicolas von Stackelberg ist skeptisch: „Der Prototyp hat zweifelsohne eine gute Mechanik. Allerdings ist der Touchscreen nicht so gut wie der des iPhones – und der Bildschirm ist für die Kunden entscheidend.“

Aber auch von Apple wird es Neuigkeiten geben: Glaubt man der bei Apple traditionell brodelnden Gerüchteküche, wird es schon in Kürze ein kleines iPhone Nano geben. Zubehörhersteller haben offenbar schon mit der Produktion der Schutzhüllen angefangen. „In der zweiten Jahreshälfte wird es dann vermutlich ein neues iPhone geben, das über eine bessere Kamera und eine längere Akkulaufzeit verfügt“, schätzt Weidner.